Kaum Klagen über den allenthalben absehbaren Pflegenotstand erfuhr die hessische CDU-Landtagsabgeordnete Birgit Heitland bei ihrem Besuch im „Haus der Betreuung und Pflege“ am Hirschhorner Michelberg. Stattdessen traf sie auf eine engagierte Heimleiterin, die nach fünfmonatiger Amtszeit ganz viel Positives aus ihrem Haus zu berichten wusste. Im Rahmen ihrer Sommerbesuche war Heitland, begleitet von Ilona Dörr vom Hirschhorner CDU-Vorstand und der Vorsitzenden des CDU-Stadtverbands Neckarsteinach Gabriele Rauxloh, am Montagmorgen im Hirschhorner Pflegeheim zu Gast. Da zu ihren Zuständigkeiten Sozial- und Integrationspolitik im hessischen Landtag auch die Themen Familie, Gesundheit und Pflege gehören, wollte sie sich im Gespräch mit Heimleiterin Yvonne Ginthum ein Bild von der aktuellen Situation in Hirschhorn machen.
Im Jahr 2000 eröffnet, beherbergt das Haus mit seinem Ausblick über Hirschhorn, Neckartal und Odenwald aktuell 129 Bewohner aus Hirschhorn, Neckarsteinach und Schönau sowie aus Eberbach und Umgebung in insgesamt 74 Einzel- und Doppelzimmern. 2017 wurde das ehemalige Seniorenheim „Casa Reha“ von der französischen Korian-Gruppe übernommen und nennt sich seitdem „Haus der Betreuung und Pflege“. Seit April 2018 wird es von Yvonne Ginthum geleitet.
Die Mehrzahl der Bewohner teilt hier das Zimmer mit einer anderen Person. „Das ist für viele, besonders für demente Menschen schön“, erläuterte Ginthum die Wohnsituation. „Ihnen tut es gut zu wissen, dass sie nicht allein sind.“ „Fittere“ Senioren wünschten sich hingegen eher ein Einzelzimmer. Dies treffe auch auf die 28 psychisch kranken Bewohner der geschlossenen Station in den oberen Stockwerken des Hauses zu. Bei ihnen handele es sich um Menschen, die per gerichtlichen Unterbringungsbeschluss wegen Eigengefährdung in die Einrichtung eingewiesen wurden, „Menschen mit Alkohol- und Drogenproblemen, die ihr Leben nicht allein meistern können“, so Ginthum. Im Rahmen diverser Therapien im Haus versuche man, sie wieder „in andere Wohnformen“ einzugliedern.
Die ärztliche Betreuung aller Heimbewohner sei durch regelmäßige Besuche niedergelassener Mediziner gewährleistet, berichtete Ginthum ihrem Gast aus dem hessischen Landtag.
Und wie sieht es mit dem Pflegepersonal aus? „Natürlich wären mehr Fachkräfte schön“, gab Ginthum zu, „und es ist schwierig, welche zu bekommen.“ Doch sei der vorgegebene Schlüssel von 50 Prozent Fachkräften unter den insgesamt 92 Betreuungskräften und Helfern im Haus erfüllt. „Wenn die Mitarbeiter sich vom finanziellen Aspekt und von der Arbeitsatmosphäre her wohlfühlen, gehen sie motiviert an ihre Arbeit“, weiß Ginthum. „Wenn das nicht zutrifft, nutzt auch ein Schlüssel von zum Beispiel 60 Prozent nicht.“ Dann nämlich fielen sie viel häufiger etwa durch Krankheit aus.
Die Herabsetzung der Zugangsbedingungen für die Pflegeausbildung in Hessen, die „Generalisierung“ der Ausbildung, bei der Kranken- und Altenpfleger in den ersten beiden Ausbildungsjahren gemeinsam unterrichtet werden, oder das Ausbildungsprogramm der Pflegeschüler waren weitere Themen. Bei letzterem wünschte sich Ginthum eine Abschaffung der gemeinsamen Blockstunden: „Es ist schlecht für uns, wenn unsere zehn Auszubildenden da geballt weg sind.“
Bei einem Rundgang konnten Birgit Heitland und ihre Begleiterinnen schließlich noch Einblicke in die einzelnen Stationen und Gemeinschaftsbereiche des Hauses gewinnen.
„Das war ein sehr schöner Termin hier bei Ihnen“, dankte Heitland Heimleiterin Yvonne Ginthum. Von Hirschhorn mit nahm sie die Sorgen, die alle Pflegeheime umtreiben: die Suche nach Fachpersonal und der Wunsch nach Entlastung von allzu viel Bürokratie – um mehr Zeit für die Bewohner zu haben.

Barbara Nolten-Casado, 14. August 2018

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