MdB Dr. Michael Meister zeigt sich beeindruckt beim Rundgang am Welterbe-Investitionsobjekt Kloster Lorsch

Wie steht es mit den Arbeiten am Investitionsprogramm rund um das Welterbe Kloster Lorsch? Das wollte am Montag Dr. Michael Meister, Mitglied des Bundestages und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU, wissen.

   

Er folgte damit einer Einladung des Lorscher Bürgermeisters Christian Schönung. „Denn Sie“, so der Bürgermeister, “haben wesentlich dazu beigetragen, dass das Programm überhaupt zustande kam.“

Michael Meister ließ sich von Schönung, sowie von Karl Weber, dem Direktor der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, über die Fortschritte des sechsgliedrigen  Millionenprojektes vor Ort aufklären.

Meister lobte vorab das Lorscher Konzept als „anspruchsvoll“. „Entschieden wurde nach Qualität der Vorschläge“, so Meister. Das habe den Ausschlag beim konzeptionellen Ideenwettbewerb des Bundes gegeben: Aus dem insgesamt 150 Mio. Euro starken „Investitionsprogramm für nationale Welterbestätten“ wurden 4,6 Mio. Euro herausgelöst, die nun in Lorsch verbaut werden können. Bei einer Gesamtprojektsumme von mittlerweile 12,1  Mio. Euro ist der Bund damit der größte Anteilsgeber.   

Beim sicherlich spektakulärsten Teil des Gesamtprojektes werden die ersten Konstruktionsaufträge in wenigen Wochen vergeben: Der „experimentalarchäologische karolingische Herrenhof Lauresham“ wird das Leben zur Karolingerzeit anhand einer dörflichen Struktur anschaulich  machen. Grundlage sind die aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnisse: „Alle, die derzeit mit Siedlungsforschung zu tun haben, entwickeln hier mit“, unterstrich Dr. Hermann Schefers, für die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten vor Ort. Grubenhäuser und Wölbäcker, Feldwirtschaft und etwa Textilverarbeitung, schließlich Sakralbauweisen und das Thema Grundherrschaft zu Zeiten Karls des Großen sollen hier nachvollziehbar werden. Der Spagat zwischen der wissenschaftlich fundierten Umsetzung und dem museumspädagogischen Anspruch sei hier zu meistern. „Doch wir haben tragfähige Lösungen gefunden“, so der Wissenschaftler aus Lorsch.

Die Zehntscheune soll als sogenannter „Wissensspeicher“  zukünftig die zahlreichen baulichen Relikte in einer Dauerausstellung zeigen. Dazu steht täglich Führungspersonal bereit, auch wenn nur eine oder zwei Personen interessiert sind. Denn: „Auch wenn wir das Kloster Lorsch den Menschen näher bringen und anschaulicher machen: Dieses Weltkulturerbe wird nie selbsterklärend sein und immer verbaler Vermittlung bedürfen“, stellte Karl Weber klar. Der Umbau der Zehntscheune wird dem des Karolingerplatzes, wo am gleichen Tag der Spatenstich stattfand, als zweiter Bauabschnitt im Projekt folgen.

Den sogenannten „Fußabdruck im Herzen der Gesamtanlage“ erläuterte man dem Gast aus Berlin als eine im Gelände erhöht verlaufende Umrisslinie der gesamten Kirchenanlage. Die einstige Größe des sakralen Bereiches soll somit nachzuempfinden sein. Diese Rolle fällt für die gesamte Anlage der insgesamt 1,1 km langen Klostermauer zu. Die schon begonnenen Maßnahmen, weithin an den Gerüsten zu erkennen, dienen der Bestandssicherung und der besseren Sichtbarmachung des Baukörpers, der das Gelände zu zwei Drittel umläuft. Angliedern werden sich auch behutsame Eingriffe am Kirchenrest: „Das Gebäude soll mehr für sich sprechen“, fasste es Weber zusammen.

Die Kulturachse zwischen den beiden Kernzonen des Weltkulturerbes - Kloster Altenmünster und Klosterhügel - schöpft eine Besonderheit der Lorscher Verhältnisse aus: Die Blickachse zwischen diesen wurde hier – ganz im Gegensatz zu vielen anderen Stätten – niemals verbaut. Hier spricht man von einem Grünzug, den es nun gilt abwechslungsreich und informativ zu gestalten und vor allem entsprechend seiner Lage in der sogenannten Pufferzone aufzuwerten. Im Zuge der immer wieder genannten Welterbeverträglichkeit wird auch die östliche Nibelungenstraße optisch und verkehrstechnisch umgestaltet werden. Fazit von Weber: „Das gesamte Gelände wird sich vollkommen verändern. Es gibt überall Eingriffe.“

Aufgetretene Zeitverzüge seien nicht vermeidbar. Er machte klar, dass bei dem Projekt auch supranationale Partner mit am Tisch sitzen. „Wir sind eingebunden in größere Systeme“, so Weber. Er nannte UNESCO und ICOMOS als Partner, die „aus Gründen der Welterbeverträglichkeit in allen Phasen Veränderungswünsche“ vorgelegt hätten. Das führe – wenn auch verständlich - zu jetzt schon absehbaren Verteuerungen. Weshalb man den Gast aus Berlin mit den heimischen Wurzeln auch unverhohlen bat, sich für ergänzende Mittel vom Bund einzusetzen. Und Meister, mit den profunden Ausführungen offensichtlich zufrieden, versprach in Berlin „zu schauen, ob wir finanziell aufsetzen können“.

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